Manfred Schlapp blickt zurück

Offiziell beginnt die Geschichte des PEN-Clubs Liechtenstein am 1. April 1978. Ihre Anfänge sind jedoch gut vier Jahre älter.

Ende 1973 wurde Manfred Schlapp eingeladen, dem Österreichischen PEN-Club beizutreten. Gleichzeitig nahm Ernst Schönwiese, der damalige Präsident des Österreichischen PEN-Clubs, Kontakt mit ihm auf und bat ihn, die Präsidentschaft für eine PEN-Sektion Vorarlberg zu übernehmen, falls eine solche zustande käme. Nach dem föderalistischen Prinzip teilte Ernst Schönwiese den Österreichischen PEN-Club in neun Sektionen auf, entsprechend den neun Bundesländern.

Gemeinsam mit Leonhard Paulmichl und Elmar Vogt, der leider schon bald tödlich verunglücken sollte, hob Manfred Schlapp im Mai 1974 die PEN-Sektion Vorarlberg aus der Taufe und ging als dessen Präsident mit jugendlichem Elan ans Werk: Er brachte drei Literatur-Wettbewerbe zur Ausschreibung, etablierte eine literarische Schriften-Reihe namens ZIFFERBLATT und veranstaltete ein dreitägiges Symposion zum Thema „Literatur als Schnittpunkt von Individuum und Gesellschaft“. All diese Aktivitäten sind in den Nummern 1 – 6 dieser Schriften-Reihe dokumentiert und nachzulesen.

Schon bald kamen Leonhard Paulmichl und Manfred Schlapp überein, die PEN-Sektion Vorarlberg zu Grabe zu tragen und an ihrer Statt in Liechtenstein einen autonomen PEN-Club ins Leben zu rufen. Den letzten „Kick“ zur Gründung des PEN-Clubs Liechtenstein gab Paul Watzlawick. Und das ging so: Anfangs 1977 lernte Manfred Schlapp anlässlich einer Zugfahrt Paul Watzlawick persönlich kennen. Beide waren Mitglieder des Österreichischen PEN-Clubs. Im Laufe des Gesprächs fragte Paul Watzlawick, ob es einen liechtensteinischen PEN-Club gebe. „Leider nein!“ „Dann gründen Sie doch einen!“

Gesagt, getan! Zunächst galt es, eine repräsentative Gründer-Crew von mindestens 20 Mitgliedern auf die Beine zu stellen, die möglichst bereits dem PEN-Club, will heissen: irgendeinem PEN-Zentrum angehörten. Denn: Zu jener Zeit herrschte noch der Kalte Krieg, der auch den Internationalen PEN-Club in zwei Lager spaltete: in jene PEN-Zentren, die dem westlichen Lager zugezählt wurden, und in jene PEN-Zentren, die den so genannten Osten (= das sowjetische Imperium) repräsentierten. Damals war der Internationale PEN-Club eine hochpolitische Vereinigung!

Neugründungen mussten (und müssen) auf den Internationalen PEN-Kongressen, die jährlich stattfinden, sanktioniert werden. Die damaligen Abstimmungen verliefen nach dem Motto „Pro oder contra West bzw. Ost“. Und so kam es, dass just zu jener Zeit die Gründung eines Luxemburger PEN-Clubs, der die Stimme des Westens verstärkt hätte, von den Ost-PEN-Zentren verhindert wurde, und zwar mit der Begründung, dass die Mitglieder der Luxemburger Gründer-Crew literarisch unbedeutend wären und nicht den hohen Ansprüchen der PEN-Normen gerecht würden.

Um solchen Argumentationen a priori den Wind aus den Segeln zu nehmen, galt es, eine Gründer-Crew zu präsentieren, die unanfechtbar war, eine Crew, deren Mitglieder mehrheitlich bereits einem PEN-Zentrum angehörten, wie Leonhard Paulmichl und Paul Watzlawick. Als nächste Mitstreiter gewann Manfred Schlapp seinen damaligen Nachbarn Hans Hass und den Verleger Heinrich Ellermann. Hans Hass seinerseits lud Irenäus Eibl-Eibesfeldt zum Mitmachen ein und Heinrich Ellermann seinen Nachbarn, den Verleger Henry Goverts. Manfred Schlapp scharte weitere 14 Beitrittswillige um sich, die mit wenigen Ausnahmen dem österreichischen, dem bundesdeutschen oder dem Schweizer PEN-Club angehörten. Und so konnte er im Herbst 1977 eine Liste von 21 namhaften, sieben Nationen repräsentierenden Schriftstellern und Verlegern dem Internationalen PEN-Club in London vorlegen, mit der Bitte, der Gründung eines PEN-Clubs Liechtenstein die Zustimmung zu erteilen.

Diese Liste umfasste folgende Namen: Roberto Altmann, C.C. Bergius, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Heinrich Ellermann, Henry Goverts, Otto Grünmandl, Rolf Hädrich, Heinrich Harrer, Hans Hass, Werner Helwig, Gerd-Klaus Kaltenbrunner, Hans H. Kirst, Salcia Landmann, Thomas Luckmann, Valerie von Martens-Goetz, Adrian Martin, Leonhard Paulmichl, Manfred Schlapp, Luis S. Stecher, Jürgen Thorwald und Paul Watzlawick.

Die Gründung eines PEN-Zentrums in Liechtenstein stand auf der Traktandenliste des Internationalen PEN-Kongresses, der im Dezember 1977 in Sidney stattfand. Mit überwältigender Mehrheit stimmte der Kongress dem Gesuch aus Vaduz zu und gab das grüne Licht zur Gründung des PEN-Clubs Liechtenstein. Im Januar 1978 trafen die „good news“ aus Sidney ein, und am 1. April 1978 wurde der PEN-Club Liechtenstein im „Zentrum für Kunst“ zu Vaduz aus der Taufe gehoben. Bei dieser Gründungssitzung wurde Hans Hass zum Präsidenten, Heinrich Ellermann zum Vize-Präsidenten und Manfred Schlapp zum Sekretär bestellt.

Bekanntlich ist die PEN-Charta der Kompass, der allen PEN-Clubs dieser Welt die Richtung weist, so auch dem PEN-Club Liechtenstein. In Artikel 2 seiner Statuten heisst es: „Der Zweck des Vereins besteht in der Erfüllung der Internationalen PEN-Charta. Darüber hinaus ist es Ziel des PEN-Clubs Liechtenstein, gemäss der internationalen Orientierung und Lage des Fürstentums Liechtenstein über die Grenzen hinaus als Katalysator literarischer Entwicklungen zu wirken.“

Literatur ist nach den Worten der PEN-Charta eine Währung, die keine Grenzen kennt. Literarische Botschaften sind Klopfzeichen, die die Wände durchdringen, die Menschen unter und gegen sich aufrichten. Solche Klopfzeichen über die Grenzen hinaus hörbar zu machen, bemüht sich der PEN-Club Liechtenstein seit seiner Gründung. Dies tut er, indem er alle zwei Jahre den „Liechtenstein-Preis“ verleiht. Dieser Literaturpreis, der schon längst internationale Beachtung geniesst, führt die Tradition fort, die in der „Vorarlberg-Ära“ begründet wurde.

Der „Liechtenstein-Preis“ hat drei Entwicklungsschritte durchlaufen. In einem ersten Schritt wurde er 1979 und 1981 als „Liechtenstein-Preis zur Förderung junger Talente“ ausgeschrieben, und zwar anhand eines Konzepts, das sich der Gründungspräsident Hans Hass ausgedacht hat. Der Text der Ausschreibung lautete:

„Der PEN-Club Liechtenstein setzt für Jugendliche im Alter von 15 bis 23 Jahren Preise in Höhe von je 3000 Franken aus. Prämiert werden die besten Gedichte, Kurzgeschichten und Essais. Der Umfang der Gedichte ist auf 60 Zeilen, der Umfang der Kurzgeschichten und Essais auf 210 Zeilen begrenzt. Ausgeschrieben wird der Wettbewerb in Liechtenstein, in der Schweiz, in Österreich und in Südtirol, in der BRD und in der DDR. Die Einsendungen sind an die nachfolgend angeführten Kulturbehörden zu richten. Diese entscheiden, ob sie sich dem Wettbewerb anschliessen, und sind gebeten, in ihrem Zuständigkeitsbereich die Besten zu ermitteln. In der Schweiz sind es die kantonalen Erziehungs- und Kulturdepartements, in Österreich und Südtirol die Kulturreferate der Landesregierungen, in der BRD die elf Kultusministerien und in der DDR das Ministerium für Kultur. Und in Liechtenstein ist es der PEN-Club Liechtenstein. Aus den Arbeiten, die in den teilnehmenden Ländern als preiswürdig erachtet worden sind, wählt der PEN-Club Liechtenstein je drei Landesbeste. Diese (maximal) 18 Landesbesten werden nach Vaduz eingeladen und erwählen aus ihrem Kreis in Form eines Konklaves die Gewinner des Liechtenstein-Preises.“

Die Reaktionen waren überwältigend! Alle angeschriebenen Länder machten mit. Nur die DDR hüllte sich in Schweigen. Abgedruckt sind die Ergebnisse der ersten zwei Ausschreibungen im ZIFFERBLATT, Heft 7 und 9. Leider hatte sich von Anfang an eine Korrespondenz entwickelt, deren Ausmasse für einen kleinen Club nicht mehr zu bewältigen waren. Eine Revision tat not. In einem zweiten Schritt erfuhr der „Liechtenstein-Preis zur Förderung junger Talente“ eine dreifache Korrektur: Der Preis kam nicht mehr über die Kulturreferate zur Ausschreibung, sondern über die Medien. Die Alterslimite wurde auf Empfehlung von Heinrich Ellermann, dem bedeutenden Lyrik-Verleger, auf 35 Jahre angehoben. Zu Recht monierte er, dass es nicht Aufgabe eines PEN-Clubs sei, „kurzbehoste Lyrik“ zu fördern. Und fortan hiess der Preis „Liechtenstein-Preis für Lyrik“!

Hervorzuheben ist der „Liechtenstein-Preis für Lyrik“ des Jahres 1991, der im ZIFFERBLATT, Heft 14, dokumentiert ist. Aus über 3000 Einsendungen ermittelte eine PEN-Jury vier Preisträger: Der erste Preis ging nach Berlin an Mario Wirz, der zweite Preis an Antje Ippensen und zwei dritte Preise an Andreas Dehne und Wolfgang Ratz. Auch der im Jahr 1995 ausgeschriebene „Liechtenstein-Preis für Lyrik“ ist dokumentiert, und zwar im ZIFFERBLATT, Heft 16. Diesmal ermittelte die PEN-Jury aus Tausenden von Einsendungen als einzigen Preisträger den Münchner Dichter Albert Ostermaier.

Nachdem bei einer weiteren Preis-Runde sogar die BILD-Zeitung die Ausschreibung aufgegriffen hatte, wurde der PEN-Club mit Einsendungen förmlich überflutet, mit Gedichten, die zu keinem geringen Teil in die Herz-Schmerz-Schublade abzulegen waren. Eine dritte Revision tat not. Man beschloss, den „Liechtenstein-Preis für Lyrik“ nicht länger über die Medien auszuschreiben, sondern die Preisträger mit Hilfe des Netzwerks zu ermitteln, über das der PEN-Club verfügt. Ausserdem wurde die Alterslimite definitiv aufgehoben.

Gerne sei daran erinnert, dass der Liechtenstein-Preis des Jahres 2000 nicht der Lyrik gewidmet war, sondern im Zeichen der zeitgenössischen Dramatik stand. Der Preis ging an den mittlerweile berühmt geworden Dramatiker Moritz Rinke. Es blieb bei diesem einmaligen Ausflug in die Welt der dramatischen Literatur.

2002 wurde der „Liechtenstein-Preis für Lyrik“, der bereits zu Beginn der 90er Jahre im gesamten deutschen Sprachraum einen hohen Prestigewert erreicht hatte, dem Kärntner Janko Ferk und dem Russland-Deutschen Waldemar Weber zugesprochen. Ihre Preis-gekrönten Arbeiten sind im ZIFFRBLATT, Heft 22, nachzulesen. Im Jahre 2004 stiftete Paul Flora für den Dichter Michael Guttenbrunner den „Liechtenstein-Preis für Lyrik“. Und ZIFFERBLATT, Heft 26, dokumentiert den „Liechtenstein-Preis für Lyrik“, der 2006 an den Tübinger Schriftsteller Nico Bleutge verliehen worden ist, und ZIFFERBLATT, Heft 29, würdigt den Dichter Michael Donhauser, den Preisträger des Jahres 2008.

Und 2011, nach einer Pause von drei Jahren, hiess es von neuem: poetam habemus! Den „Liechtenstein-Preis für Lyrik“ überreichte der PEN-Club Liechtenstein der in Berlin lebenden Dichterin Marica Bodrozic. Diese Preisverleihung war ein poetisches Fest! Die seelenvolle Laudatio auf die gebürtige Kroatin hielt das PEN-Mitglied Widmar Puhl. Und voll Poesie war die Rede, mit der sich Marica Bodrozic für die Auszeichnung bedankte. Ihre Dankesrede, ihre lyrische Kostprobe und Widmar Puhls Laudatio sind in ZIFFERBLATT, Heft 33, nachzulesen.

Ende der 90er Jahre hat der PEN-Club Liechtenstein einen weiteren Preis etabliert, der dem Andenken an das Mitglied Ernst Steiger alias Peter-Hirsch alias Peter Surava gewidmet ist, nämlich: den Peter-Surava–Preis! Am 29. November 1995 hatte Manfred Schlapp an die PEN-Mitglieder ein Rundschreiben folgenden Inhalts verschickt:

„Nach Erhalt der Einladung zur Herbstsitzung hat mich Ernst Steiger alias Peter Hirsch alias Peter Surava angerufen und gesagt: ‚Manfred, es geht mit mir zu Ende. Ich mag auch nicht mehr. Grüsse mir unsere Freunde! Ich werde sie nicht mehr sehen!‘ Grenzenlos ist meine Bewunderung für Peter Hirsch, für diesen unbeugsamen und aufrechten Schweizer, der zeitlebens gegen Rassismus und politische Niedertracht, gegen soziales Unrecht und Diskriminierung von Minderheiten und Aussenseitern angeschrieben hat. Berühmt geworden ist er unter dem Namen ‚Peter Surava‘. Unter diesem Namen verfasste er zur Kriegszeit – allen Bedrohungen zum Trotz – Woche für Woche in der Zeitschrift NATION Artikel gegen die braune Brut. Grausam und auf perfide Weise rächte sich – nach Ende der NS-Zeit! – das politische Establishment: Man hat ihn entehrt und eingesperrt, man hat ihm den Namen genommen, man hat seine Existenz vernichtet, man hat ihn jahrzehntelang wie einen Schwerverbrecher bespitzelt. Fortan schrieb er unter Psyeudonoymen. Sein bekanntestes war Ernst Steiger. Als Ernst Steiger kam er 1981 zum Pen-Club Liechtenstein. 1991, fast 80jährig, veröffentlichte er endlich seine Autobiografie ‚Er nannte sich Peter Surava‘. Ein erschütterndes Zeitdokument! Unter dem gleichen Titel wurde seine Lebensgeschichte in einem Film dokumentiert. Ehrung folgte auf Ehrung. Peter nahm es gelassen hin. Nachdem auch die offizielle Schweiz ein Wort des Bedauerns gefunden und ihm seinen Namen zurückgegeben hatte, nahm er für immer Abschied.“

Diesem couragierten Mann zu Ehren hat der PEN-Club-Liechtenstein 1998 den Peter-Surava-Preis ins Leben gerufen. In Artikel 2 der Preisstatuten heisst es: „Der Preis wird in memoriam Peter Surava verliehen, mit dem Ziel, dessen Andenken zu bewahren und Menschen auszuzeichnen, die sich so wie er für Verfolgte, Entrechtete und Ausgebeutete einsetzen. Der Preis soll die Geehrten ermutigen und all jene anspornen, die im Geiste von Peter Surava tätig sind.“

Bislang ist der mit 25.000 Franken dotierte Preis vier Mal verliehen worden: 1999 an das Writers-in-Prison-Committee in London, 2001 an Dr. Rupert Neudeck vom Komitee Cap Anamur, 2003, zum 25. Jubiläum des PEN-Clubs Liechtenstein, an die unerschrockene Publizistin Siba Shakib und 2005 an das Dritte-Welt-Projekt „Helfen berührt“ des Feldkircher Arztes Dr. Martin Dünser. Dann folgte aufgrund finanzieller Engpässe eine Pause. 2012 wurde aus Anlass des 100. Geburtstages von Peter Surava beschlossen, den Preis, der seinen Namen trägt, ein letztes Mal zu verleihen, und zwar in Glurns, der Geburtsstadt von Paul Flora.

Für den PEN-Club Liechtenstein war das Jahr 2012 in doppelter Hinsicht ein Gedenkjahr. Der Club ehrte nicht nur Peter Surava, der allen Schlägen der politischen Macht trotzte und ein Leben in Armut faulen Kompromissen vorzog. Der Club gedachte auch seines verstorbenen Ehrenpräsidenten Paul Flora, der im Jahr 2012 90 Jahre alt geworden wäre. Gemeinsam mit der Südtiroler Stadt Glurns, in der Paul Flora zur Welt kam, veranstaltete der PEN-Club Liechtenstein eine Gedenkfeier. Dazu ein Auszug aus der Rede von Manfred Schlapp:

„1999 hatte ich die Ehre, im Montafoner Vandans die Vernissage-Rede in einer neu eröffneten Galerie zu halten, die Paul Flora ausstellte. Es war zu jener Zeit, in der Paul Mitglied des PEN-Clubs Liechtenstein wurde. Diese Mitgliedschaft hat unserem kleinen, aber feinen Club neuen Glanz verliehen. Und dem Club wurde die Krone aufgesetzt, als sich Paul zum Präsidenten wählen liess. Die Jahre, in denen Paul den PEN-Club Liechtenstein präsidierte, gingen als goldene Jahre in die Annalen unseres Clubs ein. Und für immer unvergessen bleibt, dass uns Paul Flora den Weg nach Glurns geebnet hat. Jahr für Jahr hielten wir unter seiner Ägide die Frühjahrssitzung in der Glurnser ‚Post’ ab, also in greifbarer Nähe zu seinem Geburtshaus – übergossen aus seinem Füllhorn. ‚Übergossen’ im wörtlichen Sinn: Was immer wir an köstlichen Weinen konsumierten, ging auf seine Rechnung. Grenzenlos war Pauls Gastfreundschaft. Aber er labte uns nicht nur mit edlen Gewächsen. Er führte uns auch Jahr für Jahr die kulturellen Perlen rund um Glurns vor, wo seine Seele zu Hause war.“

Höhepunkt der Gedenkfeier für Paul Flora waren die Vorträge der Mitglieder Ernst Peter Fischer und Bazon Brock und des „ZEIT“-Zeugen Haug von Kuenheim, der jener Jahre gedachte, in der Paul Flora Woche für Woche für die Wochenzeitung DIE ZEIT eine politische Karikatur gezeichnet hat. Nachzulesen sind diese Ausführungen im ZIFFERBLATT, Heft 34: „IN MEMORIAM PAUL FLORA – Eine Gedenkfeier des PEN-Clubs Liechtenstein“.

Bis zum heutigen Tag dient das ZIFFERBLATT, das Manfred Schlapp seit der Vorarlberger Zeit redigiert, als Sprachrohr des Clubs. Und wie bereits zur „Vorarlberg-Ära“ sind auch vom PEN-Club Liechtenstein Symposien veranstaltet worden, bei denen Referenten von internationalem Ruf mitgewirkt haben: 1987 fand im ORF-Studio Vorarlberg ein Symposion statt, das dem Thema „Versuchskaninchen Mensch – Die ethischen Grenzen der medizinischen und biologischen Forschung“ gewidmet war (ZIFFERBLATT, Heft 11). Ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem ORF Landesstudio Vorarlberg wurde zwei Jahre später das Thema „Das verratene Gewissen – Unser Tun und Lassen wider besseres Wissen“ abgehandelt (ZIFFERBLATT, Heft 12). Und im Liechtensteiner „Theater am Kirchplatz“ trafen sich 1994 Teilnehmer aus aller Welt zum mehrtägigen Symposion „Wege aus dem Hass – DIE europäische Aufgabe!“ (ZIFFERBLATT, Heft 15). Für Schlagzeilen sorgte zwei Jahre später auch die Veranstaltung „Österreich von aussen – Symposion des PEN-Clubs Liechtenstein aus Anlass des Millennium Austriacum“ (ZIFFERBLATT, Heft 17).

Zu den routinemässigen Aktivitäten des PEN-Clus Liechtenstein zählen die Lesungen, die im Vaduzer „Schlössle-Keller“ über die Bühne gehen. In diesem „Keller“, der von Mathias Ospelt, dem heutigen Clubsekretär geleitet wird, feiert die so genannte Klein-Kunst ihre Triumphe. Mathias Ospelt ist es auch, der sich seit Jahr und Tag im Writers-Prison-Committee engagiert und sich im Sinne der PEN-Charta für verfolgte Kollegen einsetzt.

Zu den jüngsten Errungenschaften des Clubs zählt das Heinrich-Ellermann-Stipendium, das Antje Landshoff-Ellermann 2007 in Gedenken an ihren Vater gestiftet und eingerichtet hat. Heinrich Ellermann, der einen Ehrenplatz unter den Verlegern des 20. Jahrhunderts einnimmt, war ein Freund der Musen, der sein Leben lang mit stiller Hand Musiker, Künstler und Dichter förderte. Und den Club hat er bis zu seinem Tod als Vize-Präsident begleitet – vergleichbar einem guten Hirten. Das Stipendium, das in seinem Namen gewährt wird, richtet der Club bevorzugt an ältere Schriftsteller aus, mit dem Ziel, ihnen die Möglichkeit und die Chance zu bieten, noch einmal in aller Ruhe durchzustarten – ohne zeitlichen Druck und frei von existentiellen Sorgen.

Als erste Stipendiatin erhielt diese Chance die Dichterin und Übersetzerin Christine Koschel, deren poetisches Erstlingswerk „Den Windschädel tragen“ 1961 von Heinrich Ellermann verlegt worden ist. Frau Koschel, die 2008 in Liechtenstein weilte, hinterliess als literarisches Gastgeschenk eine Sammlung von Gedichten, die im ZIFERBLATT, Heft 28, nachzulesen sind. Diese „Gedichte für Liechtenstein“ sind eine noble Hinterlassenschaft. Als zweiter Stipendiat kam mit Jahresbeginn 2009 der mit dem Goethe-Preis ausgezeichnete Romancier Peter Kurzeck nach Vaduz. Unermüdlich sass er am Schreibtisch, um während seiner Zeit in Liechtenstein grosse Teile seines Opus magnum fertig zu stellen, nämlich: den 1000seitigen Roman „Vorabend“. Sein literarisches Gastgeschenk ist ein Auszug aus diesem Roman, der unter dem Titel „Alte Kaufläden“ im ZIFERBLATT, Heft 30, abgedruckt ist. Und als vorläufig letzter Stipendiat trat der Maler und Schriftsteller Constantin Hahm mit Jahresbeginn 2010 das Heinrich-Ellermann-Stipendium an. Er hinterliess eine Reihe skurril-heiterer Kurzgeschichten, die unter dem Titel „Am Besten ist immer der Anfang“ im Zifferblatt, Heft 31, nachzulesen sind. Auch über dieses literarische Gastgeschenk darf sich der PEN-Club Liechtenstein freuen, in der Hoffnung auf weitere literarische Gastgeschenke.

Last, but not least sei das Mitglied Valentin Landmann bedankt, der sich wiederholt um den Club verdient gemacht hat, zumal dann, wenn der PEN-Club Liechtenstein zum Ziel infamer Attacken wurde. Dank seiner Scharfsicht und seinem Scharfsinn blieben die Drahtzieher solcher Attacken auf der Strecke!

Zur Zeit der Niederschrift dieser Zeilen gehörten die folgenden Mitglieder dem Club an (unter ihnen sind noch fünf aus der Riege der Gründer-Crew):

Marica Bodrozic, Bazon Brock, Patrick Boltshauser, Irene Dische, Michael Donhauser, Irenäus Eibl-Eibesfeldt, Antje Landshoff-Ellermann, Ernst Peter Fischer, Janko Ferk, Peter Gilgen, Hans Hass, Inga Hosp, Rolf Hochhuth, Thomas Hürlimann, Evi Kliemand, Valentin Landmann, Thomas Luckmann, Adrian Martin, Mathias Ospelt, Elisabeth Plessen, Widmar Puhl, Leonhard Paulmichl, Hans-Jörg Rheinberger, Manfred Schlapp, Stefan M. Seydel, Siba Shakib, Luis S. Stecher, Henning von Vogelsang, Mario Wirz, Najem Wali und Albert am Zehnhoff.

Den Club repräsentieren zurzeit Antje Landshoff-Ellermann als Präsidentin, Stefan M. Seydel als Vize-Präsident, Mathias Ospelt als Sekretär und Patrick Boltshauser als Schatzmeister.

Und Manfred Schlapp, dem die Ehrenpräsidentschaft übertragen wurde, verabschiedet sich mit diesem Beitrag vom aktiven Dienst am PEN-Club Liechtenstein.

 

Vaduz, im April 2013